Bodenbelag ausbessern: Olivenöl für das Laminat, Wasser für den Teppich

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Parkett und Laminat, Teppich oder PVC: Die heutigen Böden sind robust, nach Jahren in Gebrauch zeigen sich dennoch Abnutzungsspuren und mitunter auch kleine Schäden. Dellen, Risse oder verkratzte Oberflächen können durch Möbelrücken, heruntergefallene Gegenstände oder einfach ein paar Steinchen unter der Schuhsohle entstehen. Um diese Makel wieder zu beheben, müssen Bewohner den Bodenbelag nicht immer komplett Abschleifen oder sogar einen neuen Belag verlegen. In vielen Fällen reichen auch ein paar einfache Reparaturtricks.

Foto: Auro
Foto: Auro

Parkett: Schrammen, Risse, Löcher – selbst versiegelte Lackoberflächen können durch umgefallene Gegenstände oder das häufige Herumlaufen in Straßenschuhen kaputt gehen. Reparatursets empfehlen sich, um kleinere Schäden im Parkett selbst zu beheben, sagt der Verband der Deutschen Parkettindustrie in Bad Honnef. Diese Sets aus dem Baumarkt sind mit allen Hilfsmitteln ausgestattet, die auch Fachmänner anwenden: Schleif- und Poliertücher, ein kleiner Hobel, ein Klarlackstift und eine Auswahl an farbigen Wachsen inklusive elektrisches Schmelzgerät für die Wachsmischung. Für die Reparatur werden alle losen Holzteile um die Schadstelle entfernt und die Fläche gereinigt. Das Wachs wird erwärmt und für den passenden Ton so lange gemischt, bis der richtige entstanden ist. Danach füllt man es in den Kratzer und trägt das überstehende Wachs mit einem kleinen Hobel bündig ab. Die Stelle wird mit einem Vlies entfettet und mit einem Klarlackstift versiegelt, damit kein Wasser eindringen kann. Nach etwa fünf Minuten ist der Lack getrocknet und muss nur noch mit einem Schleiftuch poliert werden.

Noch etwas schneller verläuft die Prozedur bei Mini-Kratzern auf der Oberfläche. Hier kann auch Nagellack helfen, sagt die Heimwerkerschule DIY Academy in Köln. Die Stelle wird vorsichtig mit 240er-Schleifpapier geschliffen. Nachdem der Staub mit einem feuchten Lappen entfernt ist, wird sie vorsichtig mit klarem Nagellack versiegelt.

 

Laminat
Laminat, Quelle: Hornbach

Laminat: Was Laminat im Gegensatz zu Parkett nicht hat, ist eine Laufschicht aus Massivholz. „Daher lässt sich im Falle einer größeren Reparatur hier nichts abschleifen“, sagt Anke Wöhler vom Verband der Europäischen Laminatfußbodenhersteller in Bielefeld. Größere Verschleißspuren können nur durch den Austausch einzelner Paneele repariert werden. Das heißt: Sockelleiste entfernen und im Falle von Klick-Laminat möglicherweise mehrere Paneele herausnehmen, um an die betroffene Stelle zu gelangen. Wöhler empfiehlt, schon beim Verlegen einige Paneele als Vorrat beiseite zulegen.

Manche Risse und Kratzer lassen sich auch mit Spezial-Wachsen und Reparatur-Pasten retuschieren. „Wer nicht sicher ist, welcher Farbton passt, sollte ein Laminat-Stück von zuhause mit in den Baumarkt nehmen und ausprobieren“, empfiehlt Wöhler. Wachse und Pasten werden nach beiliegender Gebrauchsanleitung einfach mit dem Kunststoff-Schaber in die kaputte Stelle gedrückt. „Hat man keinen zur Hand, eignet sich auch ein Plastik-Kärtchen wie zum Beispiel ein Autoscheibenkratzer“, so Wöhler. Wichtig sei, dass nachher wieder eine ebene Fläche entsteht. Überschüssige Füllung sollte sofort abgezogen werden. Nach der Behandlung muss die Stelle eine Weile trocknen und aushärten, bevor sie wieder begehbar ist.

Eine Alternative, um kleine, oberflächliche Kratzer zu kaschieren, ist Oliven- oder Babyöl, rät Wöhler. Dazu den Boden erst leicht feucht wischen, trocknen lassen und mit einem Tuch etwas Öl auf den schadhaften Stellen verreiben. Überschüssiges Öl danach einfach wegwischen.

Teppich: Einen Augenblick nicht aufgepasst und schwups, kippt das Glas mit dem Getränk auf den Teppich. Je eher der vermeintliche Fleck entfernt wird, desto besser ist das Ergebnis, sagt Sophia Gelderblom vom TFI-Institut für Bodensysteme an der RWTH Aachen. Sie empfiehlt, flüssige Substanzen sofort mit einem saugfähigen Baumwolltuch aufzunehmen. Pastöses wie Ketchup oder Jogurt sollte man mit einem Löffel abkratzen. Anschließend ein lauwarm-feuchtes Tuch benutzen und damit vorsichtig den Fleck von außen nach innen wegtupfen. Dabei nicht kräftig reiben, sagt die Expertin, weil so die Fasern verfilzen können. Den Vorgang so oft wiederholen, bis keine farbige Substanz mehr vom Tuch aufgenommen wird. Ein feuchtes Baumwolltuch über Nacht auf den Fleck legen und mit Büchern beschweren – dann sollte der Fleck wieder verschwunden sein. Falls nicht oder nicht rechtzeitig mit der Bekämpfung begonnen wurde, rät sie, einen Teppich-Fleckenentferner zu benutzen, am besten nach einer Produktberatung im Fachhandel. Bei Fleckenentfernern in der Drogerie sollte man auf das richtige Fasermaterial achten, also Chemiefaser oder Naturfaser. Besondere Vorsicht sei bei Sisal- oder Kokosteppichen geboten, diese können schon bei der Behandlung mit Wasser empfindlich reagieren. „Am besten das Mittel erst mal an einer versteckten Stelle ausprobieren, um sicher zu gehen, dass keine Farbstoffe angegriffen werden“, rät die Teppich-Expertin.

Laut der DIY Academy können Kerzenwachs, Öl- und Fettflecken auch mit Lösch- oder Packpapier entfernt werden. Einfach mit einem Bügeleisen auf niedrigster Stufe so lange darüber fahren, bis das Papier das Fett aufgesaugt hat. Ist das Fett hartnäckig, kann ein Schwamm mit etwas Teppichshampoo helfen, den Fleck herauszuwachen. Danach den Schaum mit einem sauberen Schwamm oder Tuch entfernen. Fällt Zigarettenasche auf den Teppich und verursacht ein Brandloch auf der Oberfläche, empfiehlt es sich, in kreisenden Bewegungen mit feinem Schleifpapier über die Stelle zu gehen, bis es verschwindet. Bei tieferen Löchern sollte das Stück Teppich ersetzt werden. Dazu ein neues Stück über das alte legen und beide Lagen zusammen ausschneiden. Möglich ist auch, die Teile mit einem Locheisen auszustanzen. Das Ersatzstück kommt dann in Florrichtung mit doppelseitigem Klebeband oder Universalkleber in das Loch. Die Übergange werden mit einer Rasierklinge bearbeitet.

Linoleum und PVC-Böden: Bei wem ein so genannter „elastischer Fußboden“, also Kunststoffbeläge wie Linoleum oder PVC, verlegt ist, kann bei Rissen einen Repair-Stift zur Hand nehmen. „Der Lack des Stifts füllt den Riss wieder auf und macht ihn unsichtbar“, erklärt Uwe Viebrock beim Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge in Münster. Will man eine größere beschädigte Stelle herausschneiden und ersetzen, sollten Bewohner wissen, dass man die Nahtkanten sieht, so Viebrock. Eine etwas aufwendigere und besser durch den Fachmann zu erledigende Reparatur ist das Erneuern der gesamten Oberfläche.PVC-Designbeläge für die Wohnung besitzen eine ca. 20 Mikrometer dicke PU-Nutzschicht aus Polyurethan, die man abschleifen kann“, sagt er. „Anschließend wird ein spezieller Zwei-Komponenten-Lack aufgetragen, so dass die Oberfläche wieder wie neu aussieht.“

 

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