Buchtipp: „Fremd in ihrem Land“

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Warum finden Rechtspopulisten in den USA so viel Unterstützung? Arlie Russell Hochschild reiste ins Zentrum der amerikanischen Rechten, nach Louisiana, und ergründete über Jahre hinweg Einstellungen und Gefühle ihrer Landsleute.

In den Vereinigten Staaten verstärkt sich der Eindruck, in zwei unterschiedlichen Ländern zu leben. Der Graben zwischen Liberalen und der extremen Rechten scheint größer als je zuvor. Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat die ohnehin große Kluft manifestiert. Bereits lange vor Trumps Wahlsieg verlässt die Soziologin Arlie Russell Hochschild die Komfortzone ihres linksliberal geprägten Lebens in Berkeley, Kalifornien, und macht sich auf den Weg zu Menschen, die politisch nicht weiter von ihr entfernt sein könnten. Sie will verstehen, was diese Menschen treibt, die scheinbar gegen ihre eigenen Interessen die
ultrakonservative Tea Party unterstützen.

Fremd im Land

Über fünf Jahre hinweg und in unzähligen Gesprächen lernt Hochschild frustrierte Menschen kennen, deren „Amerikanischer Traum“ geplatzt ist. Menschen, die sich abgehängt fühlen und den Staat hassen. Die an der Verschmutzung ihrer Gewässer durch die chemische Industrie leiden und doch die Befugnisse der Umweltbehörde einschränken möchten. Die den Wohlfahrtsstaat grundsätzlich ablehnen, selbst wenn sie selbst in hohem Maß auf dessen Fürsorge angewiesen sind.

Fremd in ihrem Land
Arlie Russell Hochschild
Fremd in ihrem Land
Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten
Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 429 Seiten
EUR 29,95/EUA 30,80/sFr 36,80
ISBN 978-3-593-50766-8

Hochschild gibt sich nicht mit dem oberflächlichen Bild zufrieden, sondern ergründet die Ursachen der vermeintlichen Paradoxien. Sie erzählt ganz authentisch die Geschichten ihrer Protagonisten und spricht über ihre Hoffnungen und Ängste, Trauer und Verbitterung, Stolz und Scham. Die Menschen fühlen sich gegenüber Minderheiten zurückgesetzt und in ihrer tief verankerten gemeinsamen Wertestruktur nicht mehr anerkannt. Das macht sie wütend und treibt sie in die Arme der Rechten. Hochschild, die mit ihren teilnehmenden Beobachtungen weltweit Beachtung gefunden hat, zeigt in ihrem Buch eine beunruhigende Entwicklung auf, die auch in Europa längst begonnen hat. Ihre Reportage ist nicht nur eine erhellende Deutung einer gespaltenen Gesellschaft, sondern auch ein bewegendes Stück Literatur.

 

Über die Autorin
Arlie Russell Hochschild ist eine der bedeutendsten Soziologinnen der Gegenwart und emeritierte Professorin an der University of California, Berkeley. Die amerikanische Originalausgabe ihres Buches »Strangers in Their Own Land. Anger and Mourning on the American Right« stand auf der Shortlist für den National Book Award 2016.

 

 

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