Uwe Manasse will dem feinen Gespür für besondere Düfte folgen. Der Parfümeur aus Unkel am Rhein komponiert in seinem Duftlabor Privatparfums für seine überwiegend weibliche Kundschaft.

Blumig und leicht. Sanft und eindringlich. Belebend und enthusiastisch. So reichhaltig wie seine Beschreibung, so vielschichtig ist auch der Duft selbst. Parfum verzaubert die Sinne – das wissen wir spätestens seit Chanel No. 5, dem berühmtesten Duft aller Zeiten. Parfümeur Ernest Beaux schuf ihn einst für seine Auftraggeberin Coco Chanel. Es sollte ein „Parfum für eine Frau mit dem Duft einer Frau“ sein, hat sie einmal gesagt. Sie wusste eben, was Frauen gefällt.

„Einer meiner ersten Aufträge war es, das Licht auf einer Veranda nachzuempfinden“, erzählt Parfümeur Uwe Manasse. Dazu begleitete er die Kundin bis zum Lago di Maggiore in Italien. „Ich musste wissen, wie sich das Sonnenlicht auf ihrer Terrasse anfühlt“, so Manasse. Erst danach konnte er ihren persönlichen Duft kreieren.

 

Uwe Manasse bei der Arbeit
Uwe Manasse bei der Arbeit

Wer bei Manasse ein Privatparfum bestellt, darf zunächst an 70 Fläschchen riechen. In jedem stecken andere Aromen und Öle. Das, was gefällt, wird notiert. Mannasse formt daraus einen ersten Duftentwurf, den er seinen Kunden auf einem Papierstreifen mitgibt. „Sie sollen erst einmal beobachten, wie sich der Duft im Alltag anfühlt“, sagt er. Nach drei Monaten treffen sie sich erneut, um ihre Erfahrungen auszutauschen und den Duft noch einmal zu verfeinern. „Insgesamt vergehen drei bis vier Treffen, bis das persönliche Parfum fertig ist“, erzählt Manasse. „Bei manchen Kunden dauert das bi zu einem Jahr.“ Es bedarf Ruhe und Muße, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, meint er, zumal die Entwicklung eines individuellen Duftes ans Intimste geht – die eigene Persönlichkeit. „Oft ist es ein Lebenstraum, den sich die Auftraggeberin verwirklicht“, sagt Manasse. Und der ist begleitet von vielen Erinnerungen, Wünschen und Hoffnungen. „Da ist man fast schon in einer Therapie.“

 

Vom Schmecken zum Riechen

Manasses beruflicher Weg begann als Delikatessenkaufmann. „Damals wusste ich noch nicht, dass Schmecken und riechen nahezu das gleiche Thema sind“, sagt er. 82 Prozent des Genusses beim Essen laufen über die Nase, haben ihm Wissenschaftler bestätigt. Doch beim Feinkostverkauf blieb es nicht. Nach ein paar Jahren im Beruf ließ er sich in klassischer Homöopathie und Aromatherapie ausbilden. Er arbeitete fortan als Heilpraktiker, bis ihn vor 13 Jahren eine Kundin sagte, dass sie seinen Lampenduft lieber als Parfum tragen wolle. „Sie brachte mich auf die Idee, ein Therapieparfum zu kreieren“, sagt er.

Später folgten noch einige „Business-Jobs“, wie er sie nennt, indem er unter anderem Apple-Computer verkaufte. Den Wiedereinstieg in Duftwelt versuchte er in Münster mit einem Kosmetikinstitut. Leider vergebens: „Einen weiteren Kosmetiker brauchte dort keiner, aber den Parfümeur, den fanden viele interessant.“ Gesagt, getan: Seit 2005 widmet sich Manasse ganz dem Erschaffen von neuen Parfüms. Den Hauptteil seiner Arbeit nehmen mittlerweile gewerbliche Aufträge ein.

 

Wohlgeruch für den Besprechungsraum

Er sagt: „Auch Unternehmen machen von der Wirkung des Duftes Gebrauch.“ Hier gehe es dann eher um Raumdüfte und Arbeitsatmosphären, die verbessert werden sollen. Nach den Vorgaben „wir wollen unser Team stärken“ oder „wir brauchen mehr Umsatz“ macht sich Manasse an die Arbeit. In einer ersten Sitzung mit allen Beteiligten, die den besagten Raum nutzen, riecht jeder an 50 Düften. „Der Gruppe wird nicht gesagt, was drin ist, sondern nur wie der Duft wirkt“, erklärt er, also ob zum Beispiel „deeskalierend“ oder „anregend“. Auf einem Blatt Papier kreuzt jeder die Düfte an, die ihm am besten gefallen. Das Ganze verläuft anonym, um ein möglichst authentisches Ergebnis zu erreichen. „Da kann es auch Überraschungen für den Chef geben, wenn er sieht, was sich Mitarbeiter eigentlich wünschen“, erzählt er. Aus der Quersumme der ersehnten Wirkungen entsteht der neue Raumduft für den Berufsalltag. Manasse bezeichnet ihn als „Teamgeist“.

 

Jeder kann Parfumeur werden

In seinen Seminaren erhalten Privatleute einen ersten Einblick in das Duftmachen. „Einen Duft herstellen kann jeder“, sagt er. Da jeder mit den gleichen Sinnesorganen ausgestattet ist, sei auch jeder fähig, zu beurteilen, ob etwas gut riecht. Das Hirn und somit auch die Nase lassen sich trainieren. „So gesehen kann jeder Parfümeur werden“, meint er. Geschützt ist die Berufsbezeichnung nicht.

Derzeit beschäftigt sich Uwe Manasse wieder stärker mit dem Therapieeinsatz von Düften. Angstpatienten könne man beispielsweise mit Düften helfen, die sie an eine angstfreie Situation erinnern, sagt er. Hier und auch in anderen Bereichen gelte es, schöne Lebensmomente an ein Parfum zu koppeln. Der Duft, den er am liebsten trägt, nennt sich übrigens „Erster Sonnentag auf Haut“ – ein belebendes Parfum mit vielen Moschus-Molekülen. Info: www.manasse.de

 

Düfte und ihre Wirkung

Anis entspannt, erwärmt und beruhigt; wirkt ausgleichend und stabilisierend. 

Bergamotte regt an, löst Ängste und fördert die Konzentration.

Eukalyptus wirkt anregend, erfrischend und befreiend.

Fichte wirkt mental stimulierend und belebend.

Grapefruit entspannt und euphorisiert.

Jasmin beruhigt, erheitert und regt die Phantasie an.

Lavendel wirkt ausgleichend, entspannend und schlaffördernd.

Mandel wärmt und wirkt befreiend.

Mandarine fördert die Phantasie und Kreativität; wirkt aufheiternd und entspannend.

Patchouli wirkt aphrodisierend, stimmungsaufhellend und beruhigend.

Pfefferminze erfrischt und stärkt das Gedächtnis.

Rose wirkt beruhigend und aphrodisierend.

Vanille wirkt aphrodisierend; erheitert und wärmt.

Zedernholz beruhigt die Nerven und kräftigt.

Zimt stärkt die Nerven, entspannt, wärmt und aphrodisiert.

Zitrone wirkt erfrischend und belebend.

 

 

Die Noten eines Parfums

Die meisten Parfüms setzen sich aus Kopf-, Herz- und Basisnote zusammen. Die Kopfnote ist sofort nach dem Auftragen wahrnehmbar, da sie zunächst deutlicher als die anderen Komponenten hervorsticht. Hier werden leichte und flüchtige Stoffe verwendet wie zum Beispiel Zitrusdüfte.

Die Herznote kommt zum Vorschein, wenn sich die Kopfnote verflüchtigt hat. Sie bildet den eigentlichen Duftcharakter und haftet am längsten auf der Haut. Blütendüfte wie Rose oder Jasmin kommen hier häufig vor.

Die Basisnote ist die letzte Komponente des Duftablaufs. Sie enthält lang anhaltende und schwere Stoffe wie Moschus, Sandelholz oder Patchouli.