Mit Natron und Soda: Putzmittel selber machen

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Spülmittel, Badreinger, Scheuermilch: Einfache Putzmittel für die regelmäßige Reinigung kann jeder leicht selbst herstellen. 

Wenn man denn unbedingt will. Ökologisch verträglicher sind sie nicht immer, da man auch ihre Zutaten einzeln verpackt im Geschäft kaufen muss. Dafür weiß man genau, was drin steckt. Und das ist bei handelsüblichen Haushaltsreinigern nicht immer der Fall.

„Grundsätzlich benötigt man im Haushalt nur zwei Arten von Reinigern, die einen Großteil der üblichen Verschmutzungen entfernen können: einen Reiniger mit niedrigem pH-Wert, der Kalkflecken an der Spüle oder in der Dusche entfernt, sowie einen Reiniger mit hohem pH-Wert, der fetthaltige Verschmutzungen beseitigt“, sagt die Naturwissenschaftlerin und Buchautorin Sandra Camm. Einen niedrigen pH-Wert haben Essig und Essigessenz, Zitronensaft oder Zitronensäurepulver, das in Wasser gelöst werden kann. Einen hohen pH-Wert findet man bei Waschsoda oder Haushaltsnatron. Aus diesen Zutaten und weiteren natürlichen Produkten, die häufig in der Drogerie oder im Supermarkt erhältlich sind, lassen sich bekannte Haushaltsreiniger herstellen.

 

Diese Putzmittel kann man selbst herstellen

 

Allzweckreiniger

Hier reicht es laut der Expertin, einfache Kernseife zu verwenden. „Zum Ausscheuern von Spül- und Toilettenbecken können zusätzlich Schleifpartikel wie Salz oder auch Sand hinzugegeben werden“, rät sie. Für den guten Duft, aber auch für die antibakterielle Wirkung könne man ätherische Öle wie Teebaumöl beimischen. Tatjana Warchola, die kürzlich auch ein Buch über DIY Putzmittel geschrieben hat, empfiehlt alternativ ein Liter Wasser, je ¼ Tasse Essigessenz und Natron sowie acht Tropfen Rosmarinöl zu vermengen und in eine Sprühflasche abzufüllen.

 

Scheuerpulver

Sandra Cramm empfiehlt, einen Esslöffel Salz mit je zwei Esslöffel Waschsoda und Wasser zu vermischen. Es reicht, alles zu einem Brei zu vermischen und mit einem Schwamm aufzutragen. „Das Scheuerpulver ist sehr mild und schont die Oberflächen im Vergleich zu handelsüblichen Produkten, die häufig Schlämmkreide und andere mineralische Scheuermittel enthalten, die eher zu Kratzern führen können.“

 

Kalkreiniger

Diesen stellt man her in einem Mix aus 100 Milliliter Essigessenz, 300 Milliliter Wasser und 30 Tropfen Teebaum-, Lavendel- oder Eukalyptusöl. Das Ganze füllt man in eine Sprühflasche. „Den Reiniger kann man nicht nur im Bad gebrauchen, sondern auch für den Kühlschrank“, empfiehlt sie.

 

Geschirrspülmittel

Der Klassiker, den Tatjana Warchola mittels einer Tasse flüssiger Kernseife, drei Esslöffeln Wasser, zwei Teelöffeln Natron und zehn Tropfen ätherisches Öl (z. B süße Orange) und sechs Tropfen Zitronenöl herstellt. Alternativ kann man auch Efeu verwenden: Dazu ein großes Einmachglas zu einem Drittel mit geschnittenem Efeublättern füllen, heißes Wasser draufgeben, das Gefäß schließen und abkühlen lassen. Danach so lange schütteln, bis die Füllung schäumt. Die Blätter abseihen und den Sud in eine alte Spülmittelflasche geben. „Falls die Konsistenz dicker sein soll, Guarkernmehl dazumischen“, sagt sie.

 

Flüssiges Waschmittel

Auch hierfür gibt es einige DIY-Rezepte. Eines davon besteht aus zwei bis drei Esslöffeln Kernseife, zwei Esslöffeln Waschsoda, einem Liter abgekochtem Wasser und ätherische Ölen. Warchola beschreibt: Zuerst die Kernseife reiben und die Flocken mit etwas heißem Wasser mischen, so dass sie sich auflösen. Waschsoda und restliches Wasser dazugeben sowie 15 bis 20 Tropfen ätherische Öle. Das Ganze in eine Flasche mit Schraubverschluss schütten. Pro Wäscheladung genügen etwa 60 Millimeter. Ergänzend kann eine halbe Tasse Essigessenz als Weichspüler verwendet werden. Weiterer Tipp: Zum späteren Bügeln ein Stärkespray aus einer Tasse Wasser und zwei Esslöffeln Maisstärke verwenden.

 

Überzeugte Selbermacher wollen es nicht der Industrie überlassen, was sie verwenden. „Ich will die Dinge selbst in die Hand nehmen und nicht getäuscht werden“, sagt Warchola. Und Cramm stimmt nachdenklich: „Die Industrie setzt bei ihren Reinigern auf künstliche Tenside, die ordentlich Schäumen und entfetten, aber in den Kläranlagen nur schwer von den Mikroorganismen abgebaut werden. Auch Phosphate und andere Zusätze gelangen so in unsere Gewässer.“  

 

Spezialreiniger sind meist nicht nötig

Philip Helft von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfahlen macht darauf aufmerksam, dass man aggressive Reiniger im Laden kaum erkennt. Allerdings sehe er auch nicht die Notwendigkeit, dass alle jetzt ihre Putzmittel selbst machen müssen. „Basisreiniger sind so harmlos für die Umwelt, dass es keinen ökologischen Nutzen macht, diese selbst anzumischen“, sagt er. Viele haben vergessen, dass sich diese auch für Boden und andere Flächen eignen. „Spezialreiniger sind in den meisten Fällen Geldverschwendung“, sagt er. Selbst den Fensterreiniger könne man mit Wasser, Neutralreiniger und Spiritus ganz leicht selbst herstellen.

 

Vorsicht ist beim Anmischen der Putzmittel 

Da Essigessenz und Natron die Atemwege reizen können, ist Vorsicht geboten. „Wenn viel Kalk gelöst werden soll, kommt es zu einer starken Reaktion mit aufsteigenden Dämpfen der Essigsäure“, sagt Cramm. Schutzbrille, Handschuhe und ein feuchtes Tuch um den Mund helfen. Sowie gründliches Lüften. Auch sollte man vorher an einer unauffälligen Stelle testen, ob die Oberfläche den Reiniger verträgt. Lackierte Flächen und Kunststoffe reagieren oft empfindlich. „Auf keinen Fall dürfen essighaltige Reiniger mit Chlor-Reinigern gemischt werden“, sagt sie. Durch ihre chemische Reaktion wird giftiges Chlorgas freigesetzt.

 

Auch Verpackung kann zur Gefahrenquelle werden. „Üblicherweise werden selbstgemachte Reiniger in ehemalige Lebensmittel-Verpackungen gefüllt, wodurch man die Inhalte verwechseln kann“, sagt Marcus Gast vom Umweltbundesamt in Dessau. Ebenso fehlen auf den Produkten Dosierangaben und Warnhinweise. Ein Kompromiss können Bio-Produkte aus dem Handel sein. Sie tragen den Blauen Engel oder das EU-Umweltzeichen „Euroblume“. „Diese dürfen nur Rohstoffe verwenden, die für Umwelt und Gesundheit verträglich sind und die Reinigungsleistung garantieren“, so Gast.

 

Buch-Tipp:

DIY Putzmittel

Tatiana Warchola

DIY Putzmittel

Natürlich sauber

Flexocover, 64 Seiten

ISBN: 978-3-99025-191-1

Preis: € 7,90

 

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