Swingolf: Putten mit Kind und Kegel

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Im Urlaub mit der ganzen Familie Golfen? Das geht auch ohne Platzreife und teuren Clubbeitrag. Mit Swingolf, einer Lightversion des klassischen Golfsports. In Niedersachsen wird Swingolf auf ehemaligen Ackerflächen gespielt. Ein Zubrot für viele Landwirte.

Die Anlage ist grün und groß. Sie hat 18 Löcher, aber weder Caddie, Club noch Poloshirts. Der Bollerwagen ist bereits gepackt. Limo für die Kleinen, Bier für die Erwachsenen und ein paar belegte Brötchen. Schließlich will man gemeinsam einen sportlich-erholsamen Nachmittag auf dem Grün verbringen.

„Swingolf ist ideal für Familien sowie Ausflüge von Unternehmen“, sagt Hans-Wilhelm Welker, der mit seiner Familie auf dem Gut Vehr im niedersächsischen Quakenbrück einen Platz betreibt. „Sie können so lange spielen, wie sie wollen, und zwischendurch Pausen machen.“ Hinzu kommt, dass die Swin-Variante leichter zu erlernen ist, als Golf. „Man braucht nur einen Schläger und einen Ball“, erklärt Welker. „Damit werden alle Bahnen gespielt.“ Anfängern rät Welker den Golftee, einen kleinen Stift aus Kunststoff, zu verwenden. Dieser wird in den Boden gedrückt, um den Ball zu erhöhen und ihn leichter abzuschlagen.

 

2Swingolf_trend4ward.deRustikales Golf der Bauern

Die leichte, etwas rustikale Form des Golfes, stammt aus Frankreich. Sie wurde von den alten Spielen der Bauern abgeleitet. Der französische Architekt Laurent de Vilmorin entwickelte 1982 den dreiseitigen Universalschläger für das Swingolfen. Mit ihm können lange wie kurze Schläge sowie Putts gespielt werden. Den passenden Hartschaumball entwarf er gleich mit dazu. Er ist größer und weicher als ein normaler Golfball und fliegt langsamer und kürzer, da er auf Mähwiesen und kürzeren Bahnen gespielt wird. Auf der ersten Swingolfanlage in der Nähe der Stadt Etampes bei Paris probierten die Freizeitsportler das Golfen mit dieser Ausrüstung erstmalig aus. Aus dieser Zeit stammen auch die vereinfachten Regeln.

 

Mit wenigen Schlägen ins Ziel

Eine Spielbahn hat auf Gut Vehr zwischen 80 bis 280 Meter. Eine Runde beinhaltet neun oder 18 Löcher, je nachdem, wie viel Zeit man mitbringt. Am Ende gewinnt der Spieler mit der niedrigsten Summe an Schlägen. Das klingt simpel, doch ohne Vorkenntnisse auf den Platz zu gehen macht wenig Sinn, sagt Welker. „Bei uns bekommt jeder Spieler eine Einführung.“ Zunächst misst sein Team die Hüftlänge der Spieler, um die richtige Schlägerlänge zu bestimmen. Die Ausleihe des Schlägers und des Balls sind in den Eintrittskosten von 11 Euro pro erwachsener Person inklusive.

Das wichtigste sei es dann, einen guten „Swing“, also ausreichend Schwung zu haben, um den Ball weit über die Bahn zu schießen. „Beide Hände müssen dazu den Schläger möglichst weit oben fassen“, erklärt er. Sie verlängern den Schaft. „Dann mit geradem Rücken leicht nach vorne bücken. Knie leicht beugen und erst mal das Pendeln über dem Boden üben.“ Wer sich sicher fühlt, testet den Abschlag. „Hierbei ist es wichtig, dass der Ball möglichst weit unten getroffen wird.“

 

 Golfen, wo früher Weizen und Gerste wuchsen

Hans-Wilhelm Welker war es, der vor acht Jahren auf die Idee kam, zehn Hektar seines großen Hofes in einen Platz für Swingolf umzuwandeln. „Wir haben uns eine andere Anlage angesehen und in der Fachpresse darüber gelesen“, erzählt er. „Damals gab es nur zwei Swingolf-Anlagen in Deutschland.“ Der auslösende Moment seien aber auch schlechte Prognosen für Getreidepreise gewesen. Markus Wedekind von Swingolf Deutschland kümmert sich seit 2005 um die Genehmigung und Verbreitung von Plätzen wie diesen. „Die Landwirte waren die Initiatoren dieses Sports“, sagt er. Um die Wirtschaftlichkeit ihrer Höfe zu steigern, suchten sie nach neuen Lösungen. „In einer touristisch geprägten Region wie dem Norden Deutschland kann Swingolf als weitere Einnahmequelle funktionieren.“ Vorausgesetzt, die Infrastruktur stimmt. „Neben dem Platz müssen die Betreiber eine Gastronomie und Parkplätze bereitstellen.“ Die Anlage sollte über Zufahrtswege leicht erreichbar sein. Vor allem aber müsse man ein guter Gastgeber sein. „Das vergessen viele am Anfang.“

 

Für die Pflege des Platzes benötige man weder Chemikalien noch künstliche Bewässerung. „Mähen und Düngen reichen“, sagt Wedekind. Landwirt Welker benötigt bis zu 25 Stunden in der Woche für die Wiesenpflege. „Wir mulchen alles, damit wir nur wenig düngen müssen.“ Ökologisch zu arbeiten ist ihm wichtig. Mit knapp 3.000 Metern ist seine Spielwiese einer der längsten Swingolf-Plätze in Deutschland. Die Fläche ist ebenerdig und flach und besonders für Neulinge einfach zu spielen. Fortgeschrittene finden hier aber auch ihre Hürden wie beispielsweise kleine Gräben und Hindernisse entlang der Bahnen. Die Anlage ist eingebettet in eine idyllische Wald- und Wiesenlandschaft. Sie ist umgeben von dichten, imposant wirkenden alten Bäumen. Gegenüber liegt das alte Haupthaus des Gutes. Seine Frau Constance Welker bietet hier im Speichercafé hausgemachte Kuchen und regionale Gerichte an. Wer möchte, kann auch den Bring-Service für Speisen auf dem Platz bestellen.

 

Meisterschaften für die Ambitionierten

Bundesweit gibt es derzeit etwa 40 Swingolf-Anlagen, über 80 in Europa. Tendenz steigend, sagt Markus Wedekind von Swingolf Deutschland. „Wir wissen, dass jährlich 300.000 bis 400.000 Runden auf deutschen Plätzen gespielt werden.“ Es gibt diejenigen, die den Sport als lockere Freizeitbeschäftigung sehen und die, die ihn als ernsthaften Sport betreiben. Denn mit etwas Übung könne der Ball bis zu 100 Meter weit geschlagen werden. Mit solchen Schlägen lässt sich dann schnell gewinnen. Der Dachverband für Swingolf in Beilngries in Oberbayern organisiert Wettbewerbe für ambitionierte Spieler. Vom 01. bis 03. August finden die zehnten Einzelmeisterschaften in Paulushofen, einem Stadtteil von Beilngries, statt. Wer dort gut abschneidet, kann mit guten Chancen gegen Spieler aus dem Ausland antreten. Vom 26. bis 28. September wird um den Sieg beim achten Europacup in Niederdürenbach bei Koblenz gespielt.

Wer nur hobbymäßig spielt, findet die meisten Swingolf-Plätze in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Bis 2018 rechnet Berater Wedekind mit weiteren 60 Anlagen in Deutschland. Dann kann auch in Hessen, Sachsen-Anhalt und Berlin „geswingolft“ werden.

 

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