Manchmal kommt eine Anfrage ziemlich eindeutig: „Wir brauchen einen Artikel.“ Oder: „Können Sie eine Pressemitteilung schreiben?“ „Wir möchten unsere Website-Texte überarbeiten.“ „Wir suchen jemanden für unsere Redaktion.“
Das kann ich. Ich schreibe redaktionelle Artikel, Fachtexte und Pressemitteilungen. Ich arbeite frei für Redaktionen, für Unternehmen und Organisationen, redigiere Texte, entwickle Content-Strategien und gebe Schreibtrainings.
Aber im Laufe der Jahre habe ich gemerkt: Hinter einem Text steckt meistens mehr.
Ein Text entsteht nicht einfach aus Informationen
Wenn ich für eine Redaktion schreibe, muss ich ein Thema schnell erfassen: Was ist daran interessant? Welche Informationen fehlen? Wo muss ich genauer nachfragen? Und wie wird daraus ein Text, der für Leserinnen und Leser funktioniert?
Das gilt genauso für Unternehmensinhalte. Unternehmen kennen ihre Themen naturgemäß sehr gut. Manchmal sogar zu gut.
„Das weiß doch jeder“ ist ein gefährlicher Satz
Wer täglich mit einem Thema arbeitet, merkt irgendwann nicht mehr, was für andere kompliziert oder erklärungsbedürftig ist. Fachbegriffe werden selbstverständlich. Interne Abkürzungen ebenso. Zusammenhänge, die für die Fachabteilung logisch sind, bleiben Außenstehenden oft verschlossen.
Dann sitzt man vor einem Text und denkt: Eigentlich steht doch alles drin. Ja. Aber verstanden wird er deshalb noch lange nicht.
Ich frage nach. Manchmal ziemlich viel:
- Was genau ist damit gemeint?
- Warum ist das wichtig?
- Was ist daran neu?
- Was würde jemand wissen wollen, der sich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt hat?
- Und was davon gehört wirklich in den Text?
Das ist für mich ein wesentlicher Teil meiner Arbeit: Nicht einfach Informationen aufzuschreiben, sondern herauszufinden, was aus diesen Informationen werden kann.
Manchmal braucht es gar keinen Texter
Das klingt widersprüchlich. Aber nicht jedes Unternehmen, das mich kontaktiert, braucht am Ende einen fertigen Text von mir.
Manchmal gibt es ein Team, das grundsätzlich selbst schreiben kann. Nur fehlt die Zeit. Oder eine Redaktion hat sich verändert. Oder es gibt viele Themen, aber niemanden, der sie sammelt, sortiert und redaktionell betreut.
Dann unterstütze ich als externe Redakteurin: Ich recherchiere Themen, spreche mit Fachleuten, entwickle Inhalte, schreibe und redigiere – je nachdem, was gebraucht wird.
Und manchmal geht es noch einen Schritt weiter: Dann schauen wir gemeinsam auf die gesamte Content-Planung. Welche Themen sind relevant? Für wen schreiben wir eigentlich? Welche Inhalte brauchen wir regelmäßig? Was kann weg?
Das ist dann keine reine Textproduktion mehr. Es geht um Redaktion und Strategie.
Und manchmal liegt es tatsächlich am Schreiben
Es gibt Unternehmen, in denen sehr viel Wissen vorhanden ist, aber nur wenige Menschen, die dieses Wissen verständlich zu Papier bringen können.
Das lässt sich lernen. Deshalb gebe ich Schreibtrainings. Dabei geht es nicht darum, aus Ingenieuren, Wissenschaftlerinnen oder PR-Leuten Journalisten zu machen. Es geht darum, ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie ihre eigene Arbeit besser in Sprache übersetzen können.
- Wie komme ich schneller zum Punkt?
- Wie baue ich einen Text auf?
- Was gehört an den Anfang – und was kann weg?
- Wie schreibe ich verständlich, ohne Inhalte zu vereinfachen?
- Wie funktioniert eine gute Pressemitteilung?
- Wie schreibe ich für Website, Blog oder Social Media?
Schreiben ist zu einem großen Teil Handwerk. Und Handwerk kann man trainieren.
In Zeiten von KI wird Verstehen noch wichtiger
Seit KI Texte in Sekundenschnelle produzieren kann, hat sich die Frage verändert. Nicht mehr nur: Wer kann einen Text schreiben? Sondern auch: Wer weiß, was überhaupt geschrieben werden sollte?
Natürlich nutze auch ich KI als Werkzeug. Sie kann bei Recherche, Strukturierung oder ersten Ideen hilfreich sein. Und sie kann erstaunlich schnell Formulierungen produzieren.
Aber Geschwindigkeit ist nicht dasselbe wie Qualität. Ein Text kann flüssig klingen und trotzdem am Thema vorbeigehen. Er kann gut formuliert sein und trotzdem wichtige Informationen unterschlagen. Er kann plausibel wirken, obwohl eine Quelle fehlt oder eine Aussage nicht stimmt.
Gerade deshalb bleiben Recherche, Einordnung und journalistisches Denken wichtig:
- Was ist die eigentliche Geschichte?
- Was ist belegt?
- Was fehlt noch?
- Welche Perspektive ist interessant?
- Was muss ich hinterfragen?
- Und was kann ich weglassen?
Diese Fragen beantwortet mir kein Sprachmodell einfach dadurch, dass es einen schönen Text schreibt. KI kann beim Schreiben helfen. Verstehen muss trotzdem jemand.
Warum ich heute unterschiedlich arbeite
Ich schreibe unabhängig für Redaktionen. Ich schreibe für Unternehmen und Organisationen. Ich arbeite als Redakteurin und entwickle Content-Strategien. Und ich trainiere Menschen darin, selbst besser und verständlicher zu schreiben.
Das sind unterschiedliche Aufgaben. Aber sie haben einen gemeinsamen Kern: Am Anfang steht ein Thema. Dann kommt die Frage, was daran wichtig ist. Und erst danach der Text.
Vielleicht kommen Auftraggeber deshalb manchmal wegen eines Artikels zu mir und merken erst im Gespräch, dass sie eigentlich etwas anderes brauchen: Jemanden, der recherchiert. Eine externe Redakteurin. Eine Content-Strategie. Oder ein Schreibtraining für das eigene Team.
Das passt für mich gut zusammen. Denn auch wenn sich die Werkzeuge verändern und KI die Textproduktion gerade grundlegend verändert: Gute Inhalte beginnen nach wie vor mit Neugier, Verständnis und den richtigen Fragen.