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Schallschutz in der Mietwohnung: Was Mieter selbst gegen Lärm tun können

Schallschutz Mietwohnung

Das Gespräch der Nachbarn klingt, als säßen sie mit am Tisch. Schritte von oben wirken wie Hammerschläge. Und draußen rauscht der Verkehr bis tief in die Nacht. Lärm gehört zu den häufigsten Streitpunkten im Mietalltag. Welche Maßnahmen helfen, den Schall schutz in der Mietwohnung zu verbessern?

Zunächst eine begriffliche Einordnung. „Viele sprechen von Schallschutz, meinen aber völlig unterschiedliche Dinge“, sagt die Innenarchitektin Anne Batisweiler aus München. „Man muss klar unterscheiden zwischen Schallisolierung, Schalldämpfung und Akustikverbesserung, sonst redet man aneinander vorbei.“ Diese Trennung ist entscheidend dafür, was Mieter selbst beeinflussen können – und wofür der Vermieter zuständig ist.

 

Baulicher Schallschutz: Wo die Möglichkeiten für Mieter enden

Dringen Geräusche aus der Nachbarwohnung nahezu ungefiltert durch, liegt die Ursache meist in der Bausubstanz. „Echte Schallisolierung ist immer ein bauliches Thema“, sagt Batisweiler. Schallübertragung lasse sich nur durch Masse sowie mehrschichtige, entkoppelte Konstruktionen reduzieren. Gemeint sind etwa Vorsatzschalen, also zusätzliche Bauteile wie Gipskarton mit Dämmwolle, die vor Wände oder Decken montiert werden. Solche Maßnahmen seien aufwendig und „nichts, was man als Mieter einfach nachrüstet“, so die Expertin.

Schallschutz Gipsplatte
Die massive Wohnbauplatte für den Schallschutz Rigips Habito lässt sich verarbeiten wie eine normale Gipsplatte. Foto: Saint-Gobain Rigips

 

Wann der Vermieter den Schallschutz verbessern muss

Fehlt eine Trittschalldämmung oder ein Schallschutzfenster, kann der Vermieter nachrüsten. „Einen Anspruch auf nachträgliche Schalldämmung zur Nachbarwohnung gibt es allerdings nicht“, sagt Dieter Wall, Rechtsexperte vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Maßgeblich seien die Schallschutzvorschriften, die zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes galten. „In Altbauten aus den 60er- oder 70er-Jahren ist der Schallschutz häufig unzureichend. Damit müssen Mieter grundsätzlich leben, insbesondere bei Trittschall und normalen Wohngeräuschen“, erklärt er. Ausnahmen gelten bei Neubauten oder wenn durch Umbauten ein neuer baurechtlicher Standard erreicht wird.

 

Lärm in der Mietwohnung reduzieren: Diese Maßnahmen helfen

Was sich baulich nicht ändern lässt, kann zumindest abgeschwächt werden. „Als Mieter kann ich den Schall meist nicht aufhalten, aber ich kann ihn dämpfen“, sagt Batisweiler. Entscheidend ist das hierfür eingesetzte Material: Je dicker, weicher, unebener und schwerer es ist, desto besser. Denn: „Glatte, harte Flächen reflektieren – textile, unruhige Oberflächen dämpfen“, erklärt sie.

Dicke Vorhänge und Teppiche sorgen für mehr Schallschutz

Praktisch bedeutet das: dicke Vorhänge statt nackter Fensterfronten. „Schwere, dicht fallende Vorhänge aus Samt oder ähnlichen Stoffen wirken, weil sie Masse haben. Je dicker und je stärker gefaltet, desto besser ist die schalldämpfende Wirkung.“ Auch der Boden trägt erheblich bei: „Ein hochfloriger Teppich ist deutlich schalldämpfender als Fliesen oder Parkett.“

Möbel richtig platzieren und Schall effektiv dämpfen

Auch Möbel können den Geräuschpegel senken. „Ein voll bestücktes Bücherregal mit seiner unruhigen Oberfläche wirkt überraschend gut. Es schluckt Schall und reguliert den Klang im Raum“, so die Innenarchitektin. Massive Möbel wie Sofas, große Kleiderschränke oder Raumteiler aus Holz oder Stoff entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie an der Wand zur nachbarseitigen Lärmquelle stehen.

Akustikpaneele und Türdichtungen als einfache Schallschutz-Lösungen

Schall breitet sich dreidimensional aus. Daher empfiehlt Batisweiler auch an Decken ein schalldämpfendes Element einzusetzen. Das können sogenannte Akustikpaneele sein. „Sie verbessern die Klangqualität im Raum, sie machen ihn ruhiger und angenehmer“, sagt sie, wohlwissend, dass diese Paneele nicht wie eine Vorsatzschale isolieren. Wer sich für ein solches Paneel aus Schaumstoff, Filz oder Holzfaser entscheidet, sollte auf die richtige Montage achten. „Wichtig ist die Entkopplung: Akustikelemente sollten mit Abstandshaltern montiert werden, sonst verlieren sie einen Großteil ihrer Wirkung“, erklärt sie.

Auch Türen lassen sich aufrüsten: Schallschutzvorhänge oder Türdichtungen reduzieren Geräusche und verhindern zugleich Zugluft – ein zusätzlicher Effekt für die Wärmedämmung.

 

Lärm durch Nachbarn: Wann wird er zum rechtlichen Problem?

Bleibt es trotz aller Maßnahmen zu laut, stellt sich die rechtliche Frage. „Entscheidend ist hier nicht das subjektive Empfinden, sondern ob der Lärm objektiv über das hinausgeht, was nach Baualter und Wohnumfeld üblich und zumutbar ist“, sagt Wall. Dabei unterscheidet das Recht zwischen Lärm aus der Wohnung, also etwa Gesprächen oder Trittschall, und Lärm von außen, wie Verkehr oder Baustellen, so der Experte.

Verkehrslärm müssen Stadtbewohner in der Regel hinnehmen. „Baulärm kann zwar einen Mangel darstellen, bestand er aber bereits beim Einzug, scheidet eine Mietminderung in der Regel aus.“

Lärmprotokoll führen und Vermieter informieren

Bei dauerhaft übermäßigem Lärm des Nachbarn rät er, wie folgt vorzugehen:

„Der erste Schritt sollte immer das Gespräch mit den Nachbarn sein.“ Führt das zu nichts, gibt es zwei Möglichkeiten: „Der Mieter kann entweder direkt gegen den Nachbarn vorgehen – bis hin zur Unterlassungsklage – oder den Vermieter einschalten.“ Denn: „Lärm kann einen Mietmangel darstellen. Dann ist der Vermieter verpflichtet, den störenden Nachbarn abzumahnen.“ Entscheidend sind die Häufigkeit, Dauer und Intensität des Lärms. Der Mieter trägt die Beweislast und muss den unzumutbaren Lärm nachweisen – etwa durch ein detailliertes Lärmprotokoll. „Sinnvoll ist es, die Einträge durch Gegenzeichnungen, etwa von Mitbewohnern oder Nachbarn, zu untermauern“, so Wall.

Kinderlärm in der Mietwohnung: Was Mieter hinnehmen müssen

Eines gilt jedoch fast immer: Normaler Kinderlärm ist hinzunehmen. Gerichte seien hier besonders großzügig. „Erst bei extremem Verhalten, etwa dauerhaftem Springen von Möbeln oder Bobbycarfahren, können Grenzen überschritten sein.“

 

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