Wenn Kleinkinder das Wohnzimmer erobern, prallen oft zwei Welten aufeinander: Eltern wünschen sich Ruhe und Ordnung, Kinder brauchen Platz zum Spielen. Wie lassen sich die Bedürfnisse verbinden? Drei Einrichtungsprofis und ihr Rat.
„Das Wohnzimmer ist Bühne und Backstage zugleich“, sagt die Einrichtungsberaterin Angelika Hinz aus Waiblingen. Tagsüber dient es als Spielbühne für kleine Entdecker, abends als ruhiger Salon. Entscheidend ist, wie schnell der Raum wieder zur Ruhe kommt. Dazu sollte man bei der Gestaltung ein paar Regeln beachten.
Neutrale Farben sorgen für Ruhe im Wohnzimmer
Die erste Regel lautet: Neutrale Farben wählen. Denn: „Wenn die Gestaltung neutral bleibt, lässt sie sich schnell verwandeln“, so Hinz. Und: Es entsteht kein visuelles Chaos.
Wohnzimmer mit Kindern sinnvoll in Bereiche aufteilen
Wer das Wohnzimmer für die Familie gestaltet, sollte den Raum aus der Perspektive der Eltern denken, rät sie. Der Blick vom Sofa sollte frei bleiben, während sich Stauraum und Spielbereich seitlich oder dahinter befinden – in einem 90-Grad-Winkel zur Hauptblickachse.
„Der beste Trick für optische Ruhe ist Tarnung“, sagt Hinz. Ruhe tritt ein, wenn sich Dinge ins Gesamtbild einfügen. Gleichzeitig mögen es Kinder, wenn „ein für sie begreifbarer Raum entsteht“, erzählt Gottfried Schilling, Schreiner und Erzieher aus Würzburg. Er plant Raumkonzepte und Kinderspielräume, unter anderem für Kindertagesstätten.
Spielecke im Wohnzimmer einrichten: Platz zum Spielen schaffen
Eine Spielecke signalisiert „Hier bin ich willkommen“, so Schilling. Am einfachsten ist, man definiert die sie im Wohnraum mit einem Teppich. „Podeste klingen zwar auch spannend, sind aber Stolperfallen“, warnt Angelika Hinz. Kinder fühlen sich dort am wohlsten, wo es hell ist. Meist in der Nähe bodentiefer Fenster. Ein Podest nimmt an dieser Stelle Licht, Raum und Leichtigkeit und lässt den Raum kleiner und beengter wirken.
Kuschelhöhle oder Tipi als Rückzugsort für Kinder
Neben oder anstelle einer offenen Spielfläche kann ein kleines Spielhäuschen geeignet sein, empfiehlt Schilling. „Es gibt Struktur, Geborgenheit und eine klare Grenze: Hier bin ich, hier kann ich spielen“, sagt er. Alternativ kann „ein Tipi oder eine Kuschelhöhle ein emotionaler Rückzugsort sein“, so Hinz. Entweder dauerhaft, wenn genug Platz da ist, oder als Wochenendritual, wenn das Zelt gemeinsam aufgebaut wird. Wichtig sei, dass es keine schrillen Prints und kein Plastik braucht, sondern natürliche Stoffe, sanfte Farben und optional eine Lichterkette. Es sollte zur übrigen Einrichtung passen. Wer wenig Platz hat, kann die Kuschelhöhle wie einen kleinen Baldachin an der Decke befestigen. Sie lässt sich tagsüber zum Spielen oder abends zum Entspannen herunterziehen und verschwindet danach platzsparend wieder nach oben.
Versteckte Spielbereiche nutzen
Manchmal liegt der Zauber im Verborgenen: „Hinter dem Sofa entsteht das beste Geheimversteck“, erzählt Schilling. Ein Spalt von 15 bis 20 Zentimetern genügt. Ein kleiner Raum dahinter, Kissen hinein, fertig ist das Lager.
Kindersichere Möbel für ein familienfreundliches Wohnzimmer
Familienfreundliche Wohnzimmer brauchen Möbel und Materialien, die aushalten, dass kleine Kinder sie benutzen. Runde Ecken und stabile Materialien schützen kleine Entdecker. Schilling empfiehlt in der Spielecke einen niedrigen Tisch zum Malen. „Kein Stuhl, lieber auf Knien malen“, rät er. Der Stuhl schaffe unnötige Unruhe im Raum.
Als Unterlage kann es ein ein runder, hochwertiger Kurzflorteppich mit Melierung sein, sagt Hinz. Er dämpft Geräusche und kaschiert Flecken.
Pflegeleichte Sofas und langlebige Materialien wählen
Ebenso wichtig ist ein robustes Sofa. Christine Scharrenbroch, Pressesprecherin beim Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef empfiehlt Modelle mit abnehmbaren, waschbaren und pflegeleichten Bezügen, etwa aus Mikrofaser. Zudem lohnt der Blick auf Gütezeichen wie das „Goldene M“ (RAL-Gütezeichen für geprüfte Qualität und Wohngesundheit) oder „Möbel Schadstoffgeprüft“. Sie versprechen emissionsarme Materialien und langlebige Produkte.
Stauraum im Wohnzimmer schaffen und Ordnung halten
Nach dem Spielen kommt das Aufräumen und das sollte so einfach wie möglich gehen. Körbe, Boxen und Truhen helfen, schnell Ordnung zu schaffen, auch wenn Besuch vor der Tür steht. „Besonders wohnlich sind Körbe, die in offenen Regalen stehen“, sagt Scharrenbroch. Die Möbelexpertin empfiehlt außerdem Sofas mit Schubladen sowie Sitzbänke und Sitzhocker, die sich aufklappen lassen und Stauraum unter der Sitzfläche bieten. Idealerweise sind die Aufbewahrungssysteme so gestaltet, dass auch kleine Kinder selbstständig aufräumen können. „Soft-Close-Systeme an Schubladen und Türen schützen kleine Finger“, sagt sie.
Spielzeug organisieren
Einrichterin Hinz empfiehlt „statt zwölf kleiner lieber zwei bis drei große Themenboxen.“ Zum Beispiel „Malen“, „Kuscheln“, „Bauen“. Das schaffe eine einfache Struktur. Körbe, Boxen oder Rollcontainer im gleichen Farbton wie Sofa oder Teppich halten den Raum ruhig. Besser Bast oder Stoff statt Plastik, rät sie. Das wirke wohnlich, leise und füge sich besser ein.
Spielzeug reduzieren
Kleinkinder brauchen nicht unendlich viele Spielsachen im Wohnzimmer. Eine bewusste Auswahl sorgt für Ruhe und Übersicht: Lieblingsspiele und Bücher dürfen bleiben, der Rest wandert ins Kinderzimmer. So entsteht ein Raum, in dem sich alle entspannen können.
„Spielzeugrotation ist ein einfacher Trick“, sagt Angelika Hinz. Jede Woche kommt eine neue Box ins Spiel, zum Beispiel immer freitags. „Das hält die Neugier wach und den Raum frei.“ Auch Schilling plädiert für wenig Spielzeug im Wohnzimmer. Und am besten „offenes Spielmaterial“ wie zum Beispiel Bauklötze. „Sie brauchen Platz, fordern heraus, regen die Fantasie an – und Kinder können sich damit lange selbst beschäftigen“, sagt er.


