Rondorf: Zur Gemeinde gehörte einst der ganze Kölner Süden

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Unweit vor den einstigen Toren Kölns liegt der beschauliche Ort Rondorf. Fachwerkhäuser, alte Höfe und weitläufige Felder erinnern an das ehemalige Bauerndorf im Südwesten von Rodenkirchen. Kaiser Napoleon schloss fast alle benachbarten Dörfer unter dem Namen Rondorf zusammen. Übrig geblieben ist ein starkes Gemeinschaftsgefühl unter den 9.500 Einwohnern. Aus den Bauernhöfen sind schicke Landwohnungen entstanden. Und in der alten Dorfkirche wohnt jetzt eine Architektenfamilie.

Wir blicken zurück auf Rondorfs Entstehungsgeschichte.

Um 900 v. Chr. liegt die Siedlung Rondorf mitten im Wald und an einem heute ausgetrockneten Rheinarm. Mildes Klima, fließendes Wasser und fruchtbarer Lößboden verleiten die ersten Einwohner zum Bleiben. Es sind Jäger und Sammler, Rentiere, Höhlenbären und Mammuts, die das weitläufige Waldgebiet nutzen. Vom Severinstor über die Brühler Straße und Raderberg bis nach Rodenkirchen zieht es sich entlang. Vierhundert Jahre später dringen Germanen von Nordosten her auf die linke Rheinseite. Die Sippen errichten einzelne Höfe im heutigen Landgebiet von Rondorf.

(c) Evelyn Steinbach

Franken bevorzugen ländliches Leben

55 v. Chr. kommt der römische Feldherr Caesar nach Köln. Er nimmt mit verschiedenen Germanenstämmen auf der rechten Rheinseite Kontakt auf, hat aber nur bei den als kultiviert geltenden Ubiern Erfolg. Die Ubier siedeln auf die linke Rheinseite über und Köln wird durch Caesar und Feldherr Agrippa zu einem „Oppidum Ubiorum“ (Ubiersiedlung). Agrippas Enkelin Agrippina erhebt die Siedlung 50 n. Chr. zur Stadt „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“, wonach sich der heutige Name ableitet. Die Römer herrschen 500 Jahre am Rhein, bis 454 der germanische Volksstamm der Franken das linke Rheinufer erobert. Sie verachten das städtische Leben in Köln und lassen sich lieber auf dem freien Land nieder. Das bezeugen historische Funde aus der Frankenzeit, die oft außerhalb der alten Stadtmauer gefunden worden sind. Damals gehört Rondorf zu einer Kette fränkischer Siedlungen, die längs der alten Römerstraße zwischen Köln und Bonn liegen. Aus den einzelnen Höfen entwickeln sich in der Frankenzeit Dörfer. Teilweise sind die fränkischen Orte auf römischen Siedlungen entstanden.

Ritter Wilhelm von Rundorp

Im Mittelalter und noch bis 1802 gehört Rondorf zum Kurfürstentum Köln mit seinen Erzbischöfen als Landsherren. Sie fördern den Siedlungsbau im Kölner Süden und besitzen das meiste Land, worauf Klöster und Höfe stehen. Im Jahr 922 schenkt Erzbischof Hermann I. dem Stift Sankt Ursula in Köln den Fronhof in Rondorf bzw. heutigen Johanneshof. Bis 1902 bilden der großzügige Herrenhof auf der Kapellenstraße zusammen mit der ehemaligen Kapelle vor dem Büchelhof das Dorfzentrum. Rund um dieses Gebiet leben und arbeiten die meisten Bauern und Knechte. Die Hofarbeiter wohnen u.a. in Fachwerkhäusern auf der Kapellenstraße oder auf der nahe gelegenen Rondorfer Hauptstraße.

Der Johanneshof wird heute ausschließlich als Wohnfläche genutzt, während der Besitzer des Büchelhofes den landwirtschaftlichen Betrieb fortführt. Das alte Anwesen des Stifts Sankt Severin trägt den Zweitnamen „Adelshof“, da sich hier ab dem 14. Jahrhundert verschiedene Ritter niedergelassen haben. Eine Zeit lang leben Ritter Ulrich von Rundorp und sein Sohn Wilhelm auf dem Hof, der Küchenmeister beim Erzbischof Friedrich von Köln gewesen sein soll. Vermutlich stammt der heutige Name Rondorf von Wilhelms Rittergeschlecht ab, obwohl das Dorf schon 941 namentlich erwähnt wird. Als „Rumenthorp“ bezeichnet Erzbischof Wichfrieds in einer Urkunde den Ort. Die Namen ändern sich im Laufe der Jahre in „Rakendorp“ (1149), „Runnedorp“ (1220) und „Roggendorf“ (1285). Sprachwissenschaftlich gesehen stammt der Name wohl aus dem Fränkischen. Der Personenname „Hruam“ oder „Ruomo“ sollen mit der Bezeichnung für Dorf „thorp“ kombiniert worden sein.

Rondorf Kirche
(c) Evelyn Steinbach

 

Napoleon vereinigt südliche Dörfer

Als das Rheinland 1794 von den Franzosen besetzt wird, ändert sich das Leben in Rondorf kaum. Die 215 Bewohner bleiben im Dorf und gehen weiterhin ihrer täglichen Arbeit nach, als Viehzüchter, Ackerbauer, Händler, Stellmacher oder Sattler. Auf den gewerblichen Höfen bauen die Landwirte Getreide, Roggen, Hafer und Weizen an. Jede Familie pflanzt außerdem ihr eigenes Gemüse und hält Schweine oder Schafe. Obwohl der Alltag der Rondorfer nahezu gleich bleibt, ist der Ort von Napoleons politischen Entscheidungen abhängig. Köln wird in verschiedene Verwaltungseinheiten aufgeteilt, Rondorf und Umgebung gehören nun dem Kanton Brühl an. Kurze Zeit später gewinnt das Dorf namentlich an Größe. Napoleon vereinigt 1802 das südliche Gebiet von Köln zur „Mairie Rondorf“, einer Bürgermeisterei. Zur Gemeinde Rondorf zählen fortan alle Orte der Gemeinde Rodenkirchen sowie alle südlichen Vororte Kölns bis zum Bischofsweg vor dem Severinstor: Rodenkirchen, Immendorf, Godorf, Hönningen, Meschenich, Sürth, Weiß, Bayenthal, Raderthal, Zollstock, Marienburg, Alteburg, Weißhaus, Klettenberg, Toter Jude und Komar. Napoleon wählt Rondorf als Namensgeber, weil es etwa in der Mitte des Gebietes liegt.

86 Jahre später folgt die Eingemeindung nach Köln und die Bürgermeisterei muss mehrere Orte abtreten. Seit 1975 gehört Rondorf zum Stadtteil Rodenkirchen. Die Bezirke Hochkirchen, Höningen, Konraderhöhe sowie ein Teil von Giesdorf sind dem Dorf erhalten geblieben.

Hochkirchen, Höningen und Konraderhöhe

Der Bezirk Hochkirchen, damals „Großrott“ genannt, soll im 18. Jahrhundert von einem gleichnamigen Mann aus Liblar gegründet worden sein. Das Gebiet wird seit den 1930er Jahren stärker bewohnt; nach dem Zweiten Weltkrieg ist es über die Rodenkirchener Straße mit Rondorf zusammengewachsen. Höningen an der Brühler Straße wird 950 zum ersten Mal bei einem Geschenk an das Stift St. Cäcilien genannt. Möglicherweise sind die Römer schon dort gewesen. Bei Konraderhöhe handelt es sich um eine moderne Industrieansiedlung.

Rondorf: typische Häuser mit Giebelseite zur Front

Rondorf Häuser
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Rondorf Köln
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Rondorf
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Rondorf
(c) Evelyn Steinbach
Bis 1850 ist Rondorf ein reines Bauerndorf. Erst als sich die Industrie in Köln stärker entwickelt, verändert sich das Arbeitsleben der Bewohner. In Sürth, Bayenthal oder Köln übernehmen sie Aufträge in der Produktion oder im Handel. Bis dato müssen sie zu Fuß laufen, um von A nach B zu kommen. Erleichterung bringen Fahrräder sowie die erste private Buslinie um 1920. Sie fährt von Rondorf nach Köln und wieder zurück, zwei Mal am Tag. Wegen der verbesserten Infrastruktur ziehen Anfang des 20. Jahrhunderts mehr Menschen nach Rondorf. 1911 leben hier fast 1.000 Einwohner. Auffällig ist, dass viele Häuser mit der Giebelseite zur Straße gebaut werden. Sie wirken asymmetrisch, da sie keine einheitliche Front bilden. Auf der Hauptstraße ist das noch gut zu erkennen. Um 1820 sind die Rondorfer Hauptstraße und die Kapellenstraße die einzigen bebauten Straßenzüge. 1860 kommen die Giesdorfer Straße, Brühler Straße (heute Pastoratstraße) und die Sürther Straße (heute Hahnenstraße) hinzu. Da die alte Kapelle auf dem Büchelhof abgerissen wird, entsteht 1899 die neugotische Kapelle und spätere Pfarrkirche „Heilige Drei Könige“ an der südlichen Rondorfer Hauptstraße. Der kastenförmige Turm kommt erst 1955 dazu. Die Kirche wird zum neuen Mittelpunkt des Dorfes. Fast 90 Jahre später kauft eine Architektenfamilie die Kirche und wandelt sie in mehrere Wohnungen, Bürozimmer sowie eine Galerie mit Konzertraum um. Im Zentrum von Rondorf steht jetzt der Dorfbrunnen. Er befindet sich wenige Schritte von der Kirche entfernt auf dem gleichnamigen und begrünten Brunnenplatz.

Dorfgemeinschaft seit über 50 Jahren

Damals wie auch heute wird die Geselligkeit im Ort groß geschrieben. Eine der ersten Freizeitorganisationen ist 1883 der Junggesellenverein St. Servatius. Die jungen Männer kommen regelmäßig zusammen, um Dorffeste zu planen und das Fändelschwenken zu üben. Mit dem Brauch an der Fahne heimsen sie sich bei Wettbewerben verschiedene Pokale für Rondorf ein. Neben den Junggesellen können auch die Mitglieder des Fußballclubs „SC Rondorf“ auf eine lange Vereinsgeschichte zurückblicken. Seit 1912 spielen Jugendliche und Erwachsene Fußball im Dorf. Die besten unter ihnen nehmen an Kreismeisterschaften teil. Hobbyfußballer treten beim jährlichen Turnier „Ganz Rondorf spielt Fußball“ gegeneinander an, das der Sportclub veranstaltet.

Rondorf
(c) Evelyn Steinbach

Um kulturelle und sportliche Angelegenheiten kümmert sich ebenso die Dorfgemeinschaft „Rondorf-Hochkirchen-Höningen“. 1963 gründen junge Männer den politisch unabhängigen Verein, um die Interessen des Dorfes öffentlich zu machen. „Damals begann die Dorfgemeinschaft mit einer ganz einfachen Satzung“, erzählt Josef Peter Nägel, amtierender Vorsitzender des Vereins. Denkmalpflege, die Ehrung der Alten sowie kommunale Angelegenheiten standen auf dem Programm. Auf dem Brunnenplatz stellen sie einen Denkmalstein für die Kriegsgefallenen auf und beginnen, das Freizeitangebot wieder aufzubauen. Nägel erinnert sich: „Es gab damals weder eine Jugendbetreuung noch Spielplätze für Kinder.“ Aus Spendengeldern finanzieren sie einen Bolzplatz sowie das jährliche Maifest und den Martinszug. Heute beschäftigt sich die Dorfgemeinschaft zusätzlich mit Schulen, Fahrradwegen und Verkehrsproblemen. Im letzten Jahr bekam das Dorf eine weiterführende englische Schule. „Für die Kinder haben wir extra einen verkehrsberuhigten Fahrradweg angelegt“, berichtet Nägel. Was noch fehlt, sei eine bessere Busanbindung in Höningen und zum Bahnhof in Hürth-Kalscheuren. Doch es dauert bekanntlich, bis die Stadt die Wünsche der Dorfbewohner erfüllen kann. Derweil sorgen Josef Nägel und sein Team für das Brunnenfest und die Denkmalpflege. Vor kurzem hat die Gemeinschaft das Dorfkreuz saniert. „Es ist das älteste Kreuz der Gemeinde nach der Zeit Napoleons“, meint Nägel.

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