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Typische Irrtümer bei der Mülltrennung – Hätten Sie’s gewusst?

Tipps zur Mülltrennung

 Wie sauber trennen Sie Ihren Müll wirklich? Gelber Sack, Papiertonne, Restmüll – das System ist vertraut, doch die Umsetzung hapert manchmal. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts fällt pro Person in Deutschland jedes Jahr rund 433 Kilogramm Abfall an. Ein großer Teil davon ließe sich wiederverwerten – wenn beim Trennen weniger Missverständnisse entstehen würden. Vom Pizzakarton bis zum Joghurtbecher: Zwei Expertinnen räumen mit den größten Abfallmythen auf.

Mythos 1: „Der Müll wird am Ende sowieso verbrannt.“

Kaum ein Satz hält sich so hartnäckig – und ist falsch. Getrennter Müll wird in Deutschland nicht einfach vermischt und verbrannt, sondern in Sortieranlagen weiterverarbeitet.

Saskia Erdmann, Projektmanagerin bei der Verbraucherzentrale Berlin, betont: „Mülltrennung ist auf jeden Fall sinnvoll – alles, was man sauber trennen kann, sollte man auch trennen.“ Besonders Papier und Glas haben hohe Recyclingquoten. Auch Abfälle aus verschiedenen Metallen und Kunststoffen werden verwertet: „Die Scanner in den Anlagen erkennen einzelne Kunststoffe und ordnen sie einem Sortierpfad zu. So kann aus einem weißen Joghurtbecher ein Granulat entstehen, das aufgrund seiner einheitlichen hellen Farbe vielfältig wieder eingesetzt werden kann“, so die Expertin.

Verbundstoffe zu recyceln ist schwieriger. „Manche Verpackungen sind so aufgebaut, dass weder Verbraucher:innen noch technischen Anlagen die verschiedenen Materialien trennen können“, sagt sie. Dazu gehören zum Beispiel Chipstüten mit mehreren Schichten. Sie werden in der Regel aussortiert und verbrannt.

 

Mythos 2: „Alles aus Plastik gehört in die Gelbe Tonne.“

Nein – das stimmt nur zum Teil. In den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne gehören nur Verpackungen aus Kunststoff (Becher, Styropor, Tüten, Flaschen), Metall (Dosen, Flaschenverschlüsse) oder Verbundmaterialien mit hohem Kunststoffanteil. „Oft landen Getränkekartons fälschlicherweise im Papiermüll, obwohl sie in die Gelbe Tonne gehören“, sagt Katharina Istel, Referentin für Kreislaufwirtschaft beim Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Ein weiterer Irrtum betrifft den Grünen Punkt. „Nur weil etwas den Grünen Punkt trägt, heißt das nicht automatisch, dass es in die Gelbe Tonne darf – zum Beispiel Eierkartons oder Glas gehören dort nicht hinein“, erzählt sie.

In einigen Kommunen gibt es Wertstofftonnen. Hier dürfen auch sogenannte „stoffgleiche Nicht-Verpackungen“ entsorgt werden – etwa kaputtes Plastikspielzeug, alte Pfannen, Bestecke oder Kleiderbügel.

 

Mythos 3: „Verpackungen muss man vorher ausspülen.“

Das ist übertrieben. Es reicht, wenn Verpackungen löffelrein bzw. ausgeschabt entsorgt werden. „Ausspülen ist überflüssig – das wäre Wasser- und Energieverschwendung“, sagt Istel. Leichte Verunreinigungen stören nicht. Glas werde ohnehin bei hohen Temperaturen erhitzt, da spielten Anhaftungen keine Rolle. Lebensmittelreste gehören in den Bioabfall.

 

Mythos 4: „Pizzakartons gehören ins Altpapier.“

Nur, wenn sie sauber sind. „Fettige oder verschmutzte Kartons gehören in den Restmüll“, erklärt Katharina Istel. Fett und Lebensmittelreste stören das Recycling. Ihr Rat: „Am besten fettige Anteile abreißen und in den Restmüll tun, saubere Teile ins Altpapier.“

 

Mythos 5: „Joghurtbecher darf man nicht stapeln.“

Das kommt auf das Material an. Becher aus demselben Kunststoff dürfen ineinander gestellt werden, so Istel. Unterschiedliche Kunststoffe müssen einzeln entsorgt werden. Aludeckel und Banderolen aus Papier sollte man abmachen und getrennt entsorgen, weil die Anlage das nicht automatisch kann, so die Referentin.

Mythos Mülltrennung

 

Mythos 6: „Glasscherben gehören in den Restmüll.“

Das ist teilweise richtig. Flaschen und deren Glasscherben gehören in den Altglascontainer nach Farbe getrennt. Aber: Fensterglas, Spiegel, Porzellan oder Glühbirnen nicht. Ebenso raushalten sollte man Trinkgläser. „Sie landen oft fälschlicherweise im Altglas“, sagt Saskia Erdmann. „Sie haben eine andere Schmelztemperatur und gehören deshalb in den Restmüll.“

 

Mythos 7: „Briefumschläge mit Plastikfenster sind kein Altpapier.“

Doch, sind sie. Wenn man die Materialien trennt: „Am besten alles auseinanderreißen, damit sich Papier und Kunststoff trennen lassen“, empfiehlt Istel. Gleiches gilt für Brottüten mit Sichtfenstern oder Plastikhüllen um Werbeprospekte. Bei Paketen empfiehlt sie: „Klebebänder abziehen, denn Kunststoffanteile stören immer im Recyclingprozess.“

 

Mythos 8: „Flaschendeckel müssen getrennt entsorgt werden.“

Jein. Istel empfiehlt, Deckel in den Gelben Sack zu geben: „Die Glassammlung kann Deckel zwar heraussortieren, aber getrennt ist noch besser.“ Saskia Erdmann sieht das gelassener: „Abschrauben ist nicht zwingend notwendig. In der Glassammlung werden die Deckel magnetisch abgetrennt.“

 

Mythos 9: „Tiefkühlverpackungen gehören in die Gelbe Tonne.“

Nicht immer. Kartons aus Papier oder Pappe sollten ins Altpapier – beschichtete Verpackungen gehören in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne. Katharina Istel erklärt: „Das ist oft ein Problem, weil manche Kartons in die Altpapiertonne und manche in die Gelbe Tonne gehören. Man sollte genau hinschauen, ob ein Entsorgungshinweis aufgedruckt ist.“ Falls nicht, hilft auch eine Reißprobe: Lässt sich die Verpackung sehr einfach einreißen und ist keine dicke Laminierung erkennbar, kann die Verpackung meist ins Altpapier.

 

Gelbe Tonne

 

Mythos 10: „Kaffeebecher gehören in den Papiermüll.“

Das ist falsch. „Einwegbecher für den To-go-Kaffee bestehen aus Papier mit Kunststoffbeschichtung. Sie gehören deshalb in die Gelbe Tonne beziehungsweise den Gelben Sack“, so Katharina Istel. Gleiches gilt für beschichtete Essensverpackungen zum Beispiel für Hamburger, Muffinförmchen oder Papp-Trinkhalme. In die Papiertonne gehört nur reines Papier.

 

Abfall vermeiden

Am wirksamsten ist es, Abfall gar nicht erst entstehen zu lassen – durch wiederverwendbare Behälter, Mehrwegsysteme und den Verzicht auf Einwegartikel. Wer regional einkauft, etwa auf dem Wochenmarkt, spart mit losem Gemüse und eigenen Stofftaschen unnötige Verpackungen. Ganz ohne Müll kommt jedoch kaum ein Haushalt aus. Umso wichtiger ist ein bewusster Umgang mit dem, was übrig bleibt. „Je sauberer zu Hause getrennt wird, desto hochwertiger kann recycelt werden“, sagt Istel.

 

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