Kinderwillkommensfest
Als Alternative zur christlichen Taufe hat sich das Willkommensfest für Kinder etabliert, eine frei gestaltete Familienfeier, indem das Kind offiziell begrüßt wird.

Wird Euer Baby getauft? Viele frischgebackene Eltern kennen diese Frage von Verwandten und Freunden. Darauf kurz nach der Geburt eine zufrieden stellende Antwort zu finden, ist oft nicht leicht. Vor allem nicht, wenn einer oder beide Elternteile aus der Kirche ausgetreten sind, unterschiedlichen Religionen angehören oder noch nie gläubig waren. Als Alternative zur christlichen Taufe hat sich das Willkommensfest für Kinder etabliert, eine frei gestaltete, private Familienfeier, indem das Kind „offiziell“ begrüßt wird.

 

„Auch wenn die Eltern nicht in der Kirche sind, ist es ihnen wichtig, einen Moment inne zuhalten und an das zu erinnern, was geschehen ist: die Geburt eines neuen Menschen“, sagt der freie Redner Martin Lieske aus Langenfeld im Rheinland. Und das funktioniert auch ohne die Rituale der christlichen Taufe. Der Ausdruck der Freude über die Geburt, die Aufnahme des Kindes- im Verwandten- und Freundeskreis, das Festhalten von Versprechen und Wünschen – in welchem Rahmen dies stattfinden soll, bestimmen die Eltern einfach selbst.

So auch Hanna Bose. Die Mutter und Bloggerin entschied sich für ein Willkommensfest ihres Sohnes, als eine Art Ersatz, da ihre katholischen Verwandten aus Bayern auch die Gelegenheit bekommen sollten, ihr Kind feierlich zu begrüßen. Ihr Mann war noch nie in der Kirche und sie selbst ist ausgetreten, da passte die christliche Taufe nicht mehr in die junge Familie.

„Da ein Willkommensfest vorher noch nie jemand gemacht hat, den wir kennen, waren wir in der Planung auf uns allein gestellt“, erzählt sie. Selbst googeln half nicht, also begann sie mit ihrer Mutter Schritt für Schritt zu überlegen: „Wie groß soll die Feier sein? Wen lade ich ein und wo findet sie statt?“, berichtet sie. Statt einen Raum im Restaurant zu mieten, entschied sie sich für ihr Elternhaus, das ausreichend Platz für die Familie und enge Freunde bietet, etwa 25 Personen. „Dann sollte es ein gemeinsames Essen geben sowie genug Zeit, damit jeder unseren Kleinen kennenlernen kann, sowie irgendein Ritual, ein offizieller Teil“, erinnert sie sich. Im Garten wurde ein Apfelbaum gepflanzt. Hierfür bereiteten sie Kartenanhänger mit Wünschen vor, die die Gäste am Baum befestigen konnten. Zuvor fand eine kurze Ansprache von ihr und ihrem Mann statt.

 

Selbst reden oder reden lassen

Möglich ist, die Zeremonie von einem Redner begleiten zu lassen. Hanna Bose entschied sich dagegen, weil es ihr unpersönlich vorkam und sie den zeitlichen Ablauf freier gestalten wollte. Anderen kann eine feste Struktur helfen, die Feier zu organisieren und die richtigen Worte vor Publikum zu finden.

„Die Rede beinhaltet immer einen Rückblick. Die Kennenlerngeschichte der Eltern kann kurz erzählt werden, eventuell auch die Schwangerschaft und die Geburt“, erzählt Martin Lieske. Danach geht es um die Werte, die die Eltern dem Kind mitgeben möchten und um das Wesen des Kindes. Je älter das Kind, desto mehr kann man über seinen Charakter berichten. In der Regel findet die Feier im Babyalter von sechs bis 18 Monaten statt, es geht aber auch später. „Wenn Kinder drei Jahre und älter sind, kann man sie in die Zeremonie stärker einbeziehen“, erklärt er.

Teil der Rede ist eine symbolische Handlung. „Ein Favorit ist, dass jeder dem Kind eine Botschaft schreibt und diese in eine Schatztruhe packt, die bis zum 18. Geburtstag verschlossen bleibt“, erzählt Lieske. Oder man pflanzt wie Hannas Familie im Garten einen Baum. Er soll das Kind im Leben begleiten und an die Wurzeln erinnern.

 

Paten sind fast immer dabei

Willkommensfest Kind„Der Höhepunkt der Zeremonie liegt aber in der Einführung der Paten“, sagt Lieske. Hanna Bose entschied sich für ihren Bruder. Jemanden aus der Familie zu benennen liegt nahe, möglich sind jedoch auch Freunde. Die Wahl der Paten erfolgt im Vorfeld der Feier: „Hier sollte man darauf achten, ob die Paten in ihrer Beziehung glücklich sind, damit bei einer Trennung nicht auch der Kontakt zum Patenkind abbricht“, rät er. Paten sollen mit dem Kind Zeit verbringen und ein weiterer Ansprechpartner im Leben sein. „Hier darf auch mal über die Eltern geschimpft werden, damit das Kind nicht seinen Kummer in sich hineinfrisst“, sagt Lieske, der selbst Familienvater ist.

Während der Zeremonie können die Paten nach vorne treten und dem Kind einen Gutschein überreichen, indem sie laut vorlesen, was sie mit dem Nachwuchs später unternehmen möchten – etwa ins Fußballstadion gehen oder einen Filmabend organisieren. „Ebenso können die Eltern den Paten etwas schenken – als Überraschung und Dankeschön, dass sie diese Rolle übernehmen“, sagt er. Das kann ein Fuß- oder Handabdruck des Kindes sein oder auch ein schönes Portraitbild.

 

Organisation mit Eventplanern und freien Gemeinden

Organisatorische Hilfe findet man auch bei einigen Wedding- und Event-Planern sowie bei freireligiösen Gemeinden wie dem Humanistischen Verband Deutschland. „Wir nennen es Namensfeier, weil bei uns der Name und natürlich auch der Mensch im Vordergrund stehen“, erklärt Sabine Laue, Sprecherin im Humanistischen Verband Niedersachsen. Im Unterschied zum Kinderwillkommensfest sind eine Namenskerze und Namensurkunden fester Bestandteil der Zeremonie. In der Rede wird ebenso auf die Geschichte der Familie und die Werte für das Kind eingegangen, wobei der Fokus auf der Benennung der humanistischen Werte Toleranz, Solidarität, Aufrichtigkeit und Lebensbejahung liegt, so Laue. Ihr Tipp für die weitere Begleitung der Zeremonie ist Musik. „Entweder wird zusammen gesungen oder man hört sich ein akustisches Stück an“, sagt sie.

In ihrem Verband werden Redner vorgeschlagen, wer lieber frei nach einer passenden Person suchen will, dem empfiehlt Ausbilder Martin Lieske: „Sich auf der Webseite des Redners die Videos angucken und schauen, was man empfindet.“ Spricht der Redner frei, also ohne abzulesen, und kann er gut und auch spontan mit den Anwesenden eingehen, sei das schon mal ein Plus. „Natürlich sollte auch ein Telefonat und ein Vorgespräch bei den Eltern zuhause möglich sein“, sagt er.